Feuertechnik

Aus AKS Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Physik des Feuers

Der Umgang mit Feuer ist wesentlich einfacher, wenn man versteht, wie so ein Feuer überhaupt funktioniert. Leider bedeutet das auch, dass wir um ein wenig Physik hier nicht herum kommen werden, aber keine Sorge: es ist alles sehr einfach und formelfrei!

Also was ist Feuer nun überhaupt? Feuer ist eine chemische Reaktion zwischen Sauerstoff und einem anderen Material, bei der Energie in Form von Wärme und Licht (was im Grunde dasselbe ist) frei wird. Es wird also z.B. Kohlenstoff (Hauptbestandteil von Holz und natürlich Kohle) und Sauerstoff zu CO₂ verbrannt. Es gibt brennbare Feststoffe, Flüssigkeiten und Gase, aber alle haben gemeinsam, dass sie eine bestimmte Temperatur haben müssen, bevor man sie entzünden kann, den sogenannten Flammpunkt. Bei Holz liegt dieser Flammpunkt bei etwa 250°C, bei Papier bei etwa 185°C und beim Benzin bei etwa -20°C. Was passiert also wenn wir ein Holzspan entzünden? Durch die Flamme, die wir zum Anzünden verwenden (z.B. aus einem Feuerzeug), wird das Holz lokal erhitzt bis es 250°C erreicht hat, dann entzündet es sich und produziert selbst Wärme. Reicht diese Wärme aus den Rest des Holzes auch noch zu erwärmen, brennt es von selbst, andernfalls geht es aus. Ein Feuer produziert also nicht nur Wärme, sondern braucht auch welche! Das ist der Grund weshalb kleines Holz sich leichter entzünden lässt als großes!

Das Brennmaterial hat noch andere Eigenschaften die für uns interessant sind: am wichtigsten ist sicherlich die Feuchtigkeit. Wie wir gesehen haben müssen wir das Holz auf 250°C erhitzen, und dazu muss erst alles Wasser im Holz verdampft werden. Dafür braucht man extrem viel Energie. Ausserdem kann das Brennmaterial sehr dicht sein und gut Wärme leiten (wie z.B. bei Hartholz), dann ist es sehr viel schwieriger es auf die nötige Temperatur zu bringen (dafür gibt es dann hinterher auch wieder sehr viel Energie ab. Hier liegt also der Grund dafür dass sich manches Holz besser anzünden lässt als anderes.

Ein weiterer physikalischer Effekt ist dass warme Luft sich ausdehnt, deshalb nicht so dicht ist wie kalte Luft und nach oben steigt. Die heiße Abluft eines Feuers wird also vor allem nach oben weggetragen. Deshalb brennt ein Feuer auch eher nach oben: die heiße Luft erwärmt das Brennmaterial darüber schneller als die Wärmestrahlung das Brennmaterial darunter. Das lässt sich leicht mit einem Streichholz ausprobieren.

Und schlußendlich ist es noch wichtig den Unterschied zwischen Temperatur und Energie zu verstehen: Ein Feuer muß nicht unbedingt besonders Heiß sein um große Mengen an Energie zu erzeugen (Holzkohlefeuer), und kann sehr heiß sein ohne viel Energie zu produzieren (z.B. ein kleines Magnesium-Feuer). Die Energiemenge die ein Feuer freisetzt hängt in erster Linie davon ab wieviel Brennstoff verbrannt wird, was man durch Erhöhen der Oberfläche (kleinhacken) und verstärkte Luftzufuhr (blasen) erreichen kann. Die Temperatur hängt in erster Linie vom Brennstoff und der Luftzufuhr ab.

Nehmen wir einmal ein Beispiel für diese Punkte: wr wollen ein Feuer anzünden. Dazu nehmen wir ein kleines bisschen trockenes Papier, trockenes Reisig und gespaltenes Holz. Mit einem Feuerzeug entzünden wir das Papier, was relativ einfach geht weil es trocken ist, leicht und einen niedrigen Flammpunkt hat. Das Papier verbrennt und erzeugt dabei mehr Energie als wir mit dem Feuerzeug produzieren könnten. Diese Energie wird in erster Linie nach oben abgegeben, wo sie das Reisig erhitzt bis es ebenfalls brennt. Dieses wiederrum erzeugt noch mehr Energie die hoffentlich ausreicht um das gespaltene Holz zum Brennen zu bringen. Nachdem das Holz einmal brennt haben wir keine großen Verwendung mehr für Reisig oder Papier, da das einzig gute an diesen Materialien ist dass sie leichter anzuzünden sind als das Holz.

von http://www.schlauesbuch.de, Danke!

Holz- und Zunderarten

Um ein vernünftiges Feuer zu machen benötigen wir verschiedenes Material, vom besonders empfindlichen Zunder zum Feuerschlagen zum dicken Hartholz. Wir wollen euch hier einmal eine Reihe von guten Materialien vorstellen die sich zum entzünden und betreiben eines Feuers eignen.


Zunder, also mit ganz wenig Energie zum glimmen zu bringen sind:


Zunderschwamm

   !so hat „Ötzi“ schon Feuer gemacht ! Absoluter Kultfaktor !
   Als Zundermaterial ist nur die Mittelschicht zwischen der oberen Kruste und der unteren Poren- bzw. Röhrenschicht,
   das sogenannte Trama, geeignet.
   Das Trama scheibenweise in Kalisalpeter (oder Urin(aber komplizierter))
   eingelegen, noch im feuchten Zustand plattklopfen und trocken.
   Doch nur der echte Zunderschwamm von Laubbäumen brennt! 
   Zunderschwamm von Nadelbäumen hat eine Art roten Rand an der Unterseite des Pilzes. 
   Dieser Pilz ist kein echter Zunderschwamm, sondern nennt sich der Rotrandige Baumschwamm: 
   http://de.wikipedia.org/wiki/Fichtenporling
   Am besten mit Rohrkolbensamen, Loewenzahnsamen oder Distelsamen und zermahlener Birkenrinde vermischen.
   Hier ausfuehrliche Infos:
   http://www.feuer-steinzeit.de/ressourcen/zunder.php
   http://www.landschaftsmuseum.de/seiten/Lexikon/Feuerzeug.htm
   http://www.historisches-spiel.de/Bibliothek/Artikel/zunder-handwerk.html
   

Löwenzahn- und Distelsamen

   sind (in der entsprechenden Jahreszeit) leicht und in großer Menge verfügbar. 
   Löwenzahn   = Fruehsommer
   Distelsamen = Sommer/Spaetsommer 
   

Rohrkolbensamen

   Ähnlich wie Löwenzahnsamen, Rohrkolben steht an manchen Stellen unter Naturschutz. 
   Der Rohrkolben wird nach der Ernte zügig zerpflückt und mit Waschpulver gewaschen. 
   Zügig, weil sich meist kleine Parasiten im Kolben befinden, die sehr schnell große Parasiten werden.
   Mit Waschpulver waschen deshalb, weil die einzelnen Samen mit einer Lipidschicht überzogen sind. 
   Diese Schicht verhindert, das die Samen in der Natur im Wasser einsinken. 
   Sie verhindern natürlich auch die Aufnahme des Nitrats, was aber nicht gewünscht ist.
   Nach dem Spülen wird er getrocknet.
   Die "Fussel" in eine 20%ige Salpeter-Lösung legen (z.B. 50gr Salpeter + 200 ml Wasser).
   Jetzt 2 - 3 Tage stehen lassen (zwischendurch mal wenden).
   Danach auf Zeitungspapier trocknen lassen.
   Das Ergebnis ist der beste Zunder den ich kenne. Er fängt beim kleinsten Funken Feuer. Trocken lagern.


verkohlter Baumwollstoff

   ist wenn die feine Struktur des Stoffes noch vorhanden und nicht zerdrückt ist ein hervorragender Zunder. 

Gekohltes Leinen

   Leinenstücke in eine Blechdose mit zwei oder drei Löchern (z.B. mit einem Nagel geschlagen) legen. 
   Die Dose dann für einige Zeit in die Glut eines Feuers legen und eine Weile warten. 
   Nach dem rausholen abkühlen lassen und fertig ist das poröse, gekohlte Leinen. 

nitriertes Leinen

   Dieser Zunder ist zwar nicht authentisch aber sehr praktisch, da er sich schön in Portionen schneiden läßt und nicht zerkrümelt.
   Ein Stück so groß wie der Daumennagel reicht aus um ein Feuer zu entzünden. 
   Vor`m Feuer schlagen die Ränder einfach zerfransen, damit sich die Funken besser verfangen.

Birkenrinde

   (die weiße, papierähnliche Schicht) ist in feinen Spänen ebenfalls sehr gut. 

Tampons

    hat den super vorteil dass dieser sehr fest gestopft ist dadurch ist dieser klein,
    fast wasserdicht verpackt und meistens dabei.
    
    Mit Watte aus zwei Tampons kann man auch toll Feuer machen ohne Streichhoelzer oder Feuerzeug:
    Tampons aufbröseln und ein Polster von 5 x 10 x 1,5 cm bilden. 
    Auf der 5-cm Kante einen schmalen Streifen Asche oder geschabte Holzkohle streuen und von dieser Seite aus stramm zusammenrollen. 
    Nur in Aufrollrichtung darf Druck ausgeübt werden! ->  also merke dir die Richtung.
    Watterolle unter Druck mit der Hand so lange über ein 40 x 10 cm großes leicht angerauhtes Brett in einer Richtung rollen, 
    bis die Watterolle so fest wie der Tampon selbst ist.
    Watterolle mit einem 30 x 8 cm Brett mindestens 200 mal unter großen Druck in Rollrichtung hin und her bewegen, beim zurückrollen Druck verringern. 
    Rund-Polster an der heißesten Stelle aufschneiden, leicht auseinanderbrechen und sanft in die Öffnung blasen, bis der erste Funke aufspringt. 


Werg

(kriegt man im Baumarkt) auch Hede oder Kauder genannt,
altes Dichtmaterial aus Bastfasern wie Leinen, Hanf oder Jute

sonstiges

Getrocknetes Mark von Holunder und Schilf
Grasrispen und Moose
Vogeldaunen
Trockner Vogeldung
Getrocknete und pulverisierte Pilze

Leicht entzündlich und daher als nächste Stufe nach dem Zunder, oder direkt falls man ein Feuerzeug oder Streichhölzer hat:

Holzwolle

   oder kleine späne  

Stroh

   und Heu wenn es sehr trocken ist 

Reisig

   insbesondere von Nadelbäumen 

Tannentapfen

   pulverisierte Kiefern- und Tannenzapfen


Künstliche Materialien:

Benzin

und ander Flüssigkeiten mit einem niedrigen Flammpunkt sind gefährlich! 
Deshalb benützen Pfadfinder so etwas nicht. Flüssigkeiten mit hohem Flammpunkt (Lampenöl/ Petroleum)
notfalls, aber Achtung: Nichts davon darf auf die Erde kommen, denn solche Sachen gefährden auch das Wasser. 

Der Kerzenstummel'

aus dem Allzeit-Bereit-Päckchen ist immer gut! 
Damit kriegt man so ziemlich alles zum brennen, und er lässt sich gut und sicher transportieren bzw. ist eh immer dabei.

in Wachs getraenkte Wolle'

Bleistiftspäne

   oder andere feine Holzspäne die man mit einem Bleistiftspitzer hergestellt hat brennen hervorragend. 

Papier

   ein Klassiker, aber leider häufig überschätzt. Papier erzeugt nur wenig Hitze und brennt nur sehr kurz, zudem ist nur holzhaltiges Papier (Zeitung) geeignet, andere Papiere brennen kaum. 

Eierkarton

   absoluter Geheimtipp, insbesondere als Grillanzünder unschlagbar. Apropos, Grillanzünder gehen natürlich auch, sollte man zufällig welche haben. Sonst einmal im Esbitkocher  schauen, denn da könnte noch Esbit drin sein...:) Das geht ebenfalls. 

Plastik

   nutzen wir niemals denn Pfadfinder machen kein Müllfeuer. 

Phosphorbüchse

ab 1785. Sie enthielten ein kleines Fläschchen mit in Öl oder Wachs gehüllten Phosphor und einige in Schwefel getränkte Hölzchen. 
Zum Feuer machen tunkte man einfach eines der Holzstäbchen in den Phosphor und zog es schnell an die Luft. 
Der Phosphor entzündete sich an der Luft und steckte das Holz in Brand. Das Ganze war natürlich sehr gefährlich.

Kaliumpermanganat

mit Zucker: Ein Teelöffel von beidem mischen und auf ein Brett legen. 
Zerreibt man die Masse mit einem Löffel und viel Druck , so gibt eine richtige kleine Explosion. 

mit Glycerin und kippt beides zusammen, so entzündet sich die Mischung nach etwa 10 Sekunden von allein. 
Diese heftige Reaktion kann man sehr gut zu einer "Zauberei" verwenden und die Wartezeit mit Sprüchen und Gesten füllen.

Brennholz

Holz unterscheidet sich relativ stark voneinander, prinzipiell lässt sich aber sagen:


weiches Nadelholz

   wie Fichte, Tanne, Lärche, Kiefer
   Vorteile:
   - brennt relativ schnell an, hohe Flammen
   - gibt viel Hitze ab
   - gut zum (schnellen) kochen, da gut regulierbar
   
   Nachteile: 
   - hinterlässt keine Glut  
   - gibt wegen dem hohen Harzanteil böse Funken 


weiches Laubholz

   wie Birke brennt schnell an und gibt etwas Glut 


härteres Laubholz

   wie Buche, Eiche und Ulme, Esche sind schwerer zu entzünden, 
   brennen aber langsamer und mit einer guten Glut 


Faustregel: Je härter das Holz, desto größer die Hitze!

Feuerarten

Pyramidenfeuer

Von den Verschiedenen Feuerarten ist das Pyramidenfeuer am gebräuchlichsten. 
Es ist benannt nach der von  Hölzern gebildete Pyramidenform. 
Die Öffnung zum Wind hin ausrichten, er bringt Sauerstoff und heizt die Flammen an. 
Wenn er zu stark ist musst man ihn abschirmen um zu verhindern, dass die Flamme ausgeblasen wird.


doppeltes Pyramidenfeuer
Super bei feuchtem Boden!
Baue eine kleine Pyramide auf den Boden, 
ueber diese Pyramide wird ein fester aber luftdurchlaessiger Holzboden gebaut,
auf dieser Schicht kommt die eigentliche Pyramide.
Diese Aufteilung hat den Vorteil dass
- das primaere Feuer nicht auf dem feuchtem Boden aufliegt
- die Entzuendung des primaeren Feuers kommt von der kleinen Pyramide unten, dies beschleunigt den Vorgang.


Sternfeuer

Das Sternfeuer ist ein Feuer, dass mit sehr kleiner Flamme brennt und wenig Rauch bildet. 
Der Namen erklärt sich daraus, dass die Holzscheite sternfömig nach innen zur Glut geschoben werden.


Pagodenfeuer

Das Pagodenfeuer brennt außergewöhnlich hell und hat sich deshalb als großes Lagerfeuer und Notsignal
bewährt. Die Holzscheite bilden eine Pagode, die Form eines ostasiatischen Tempelbaus. Daher der Name.


Grubenfeuer

Selbiges brennt in einer Grube. Klingt logisch, oder? Dabei werden Stöcke/Scheite/Stämme von der Außenseite
her in die Mitte nachgerückt. Wunderbar für ein Feuer in der Kohte oder auch, wenn das Holz einmal nicht so 
trocken ist wie man gern hätte. Dieses Feuer ist sehr sicher, da es fast keinen Funkenflug gibt und ein 
Eimer Erde oder Wasser sicher hilft, wenn es gelöscht werden muss. Als Gruppenfeuer ist es wenig geeignet, 
da die Wärme nach oben abgestrahlt wird. Als Wachfeuer sehr gut, denn es blendet nicht so stark.

Material

Hobokocher

Der wohl coolste Kocher fuer Pfadfinder! Brennt mit allem :-)
Ein Hobokocher, auch Hobo-Ofen, ist ursprünglich ein vorwiegend mit Holz betriebener Behelfskocher, der aus einer Konservendose improvisiert wird. 
Er ist benannt nach den Hobos, nordamerikanischen Wanderarbeitern, vor allem während der Großen Depression, denen er als Herd und Heizung diente. 
Heute wird die Bezeichnung oft auch für industriell gefertigte Trekking-Holzkocher verwendet, die nach demselben Prinzip arbeiten.
Die althergebrachte Methode, einen Topf auf drei Steine zu stellen und dazwischen ein Feuer zu entfachen, ist ineffizient, denn nur weniger als 5% der Wärme erhitzt den Topf. 
Der Hobokocher nutzt diese Energie effizienter.
weiter infos: http://de.wikipedia.org/wiki/Hobokocher
Bauanleitung:
http://home.arcor.de/renea/Hobo-Kocher/Hobo-Kocher.htm
http://www.explorermagazin.de/kochenuw/outofen.htm
http://www.scout-o-wiki.de/index.php/Hobo-Ofen
http://www.faltboot.de/wiki/index.php/Hobo-Ofen_Selbstbau:_Modell_Ikea

sonstiges

Das Lycopodiumpulver

welches aus den Sporenkapseln des Bärlapps gewonnen wird, ist leicht, gelblich, geruch- und geschmacklos. 
Auch als Hexenpulver, Hexenmehl oder Blitzpulver bekannt findet es in der Magie Anwendung. 
Schon im Mittelalter war bekannt dass Bärlappsporen, in ein Feuer geworfen, eine helle Stichflamme erzeugen.
Bärlapp wächst auf Wiesen, auf Heiden, in trockenen Nadelwäldern und im Gebirge bis 2000 m. 
Es hat kriechende Stengel, die bis zu 2 m lang werden und moosartige Blättchen haben. 
Kleine gegabelte Ästchen steigen auf. An ihnen wachsen anstelle von echten Blüten die Fruchtähren mit dachziegelartigen Blättchen. 
Zwischen diesen Blättchen befinden sich die Sporenbehälter. 
In diesen Behältern wachsen die gelblichen Sporen, die ab August reif zur Ernte sind. 
Die Sporen lassen sich aus den Fruchtähren schütteln. 
Der Name "Hexenmehl" für die Sporen rührt daher, dass die Sporen mit leuchtenden Funken verbrennen, wenn man sie ins Feuer bläst.
http://en.wikipedia.org/wiki/Lycopodium
http://de.wikipedia.org/wiki/Bärlappsporen